Interview

20.9.2005

 
Der Editor dieser Seiten hat sich mit Naked Raven-Sängerin Janine Maunder und Percussionist und Gründungsmitglied James Richmond nach dem Auftritt der Band in Oldenburg zu einem kleinen Interview getroffen...


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Editor: Janine, James. Hallo und Danke, dass ihr Euch die Zeit für dieses kleine Interview nehmt.
Ihr seid eine australische Band, die hauptsächlich in Deutschland bekannt ist. 
Ist das nicht ein bisschen komisch für Euch, nicht in Eurer Heimat bekannt zu sein, sondern in einem fremden Land?
 
Janine: So sonderbar ist das garnicht...
Ich denke, das geschieht häufig, das Bands ihr eigenes Land verlassen müssen, um herauszufinden, wohin sie gehören.
Es wäre schon schön einigen Erfolg in Australien zu haben, aber wir sind froh hier zu sein und den Ort gefunden zu haben, wo die Musik von Naked Raven am meisten geschätzt wird.
 
James: Und irgendwie ist es auch logisch, dass wir hier die meisten Anhänger haben, denn wir sind bei weitem längere Zeit hier getourt, als in Australien.
In Australien sind einfach die Distanzen so groß, dass es sehr kostspielig ist, dort zu touren. Deshalb haben wir dort nie größere Tourneen gemacht. Meist haben wir nur in Melbourne gespielt und irgendwo an der Ostküste.

So macht das schon Sinn...
 
 
Editor: Glaubt Ihr, dass sich das europäische Publikum Musik auch anders anhört, als das australische?
 
Janine: Ja, da haben wir grade bei unserer Musik schon Unterschiede entdeckt.
Wenn wir in Australien spielen ist die Atmosphäre im Raum eine ganz andere. Da unterhalten sich die Leute weiterhin und nehmen einen Drink mit ihren Freunden...
James: Da laufen diese ganzen gesellschaftlichen Dinge während dessen ....    
Janine: Hier behandeln die Leute das viel mehr wie ein Konzert...
James: Sie hören wirklich zu...
Janine: Ich glaube, das liegt auch an dem klassischen Element. Die Leute sind hier so erzogen, sich zu setzten und wirklich der gespielten Musik zuzuhören.
Grade auch bei unserer Musik, die sehr dynamisch ist. Die Leute hier erkennen das wirklich an...
Und sie wissen, was sie zu erwarten haben, wenn sie zu einem Naked Raven-Konzert kommen.
 
 
Editor: Obwohl Ihr hierzulande schon recht bekannt seid, seid Ihr aber doch immer noch so etwas wie ein Geheimtipp...
Janine: Wir sind Underground!  [lacht]
Editor: ...von der Musik-Industrie noch nicht entdeckt.
Gefällt Euch dieser Status oder hättet ihr es schon gerne etwas größer? Und würde Eure Musik in größeren Hallen funktionieren?
 
James: Nun, natürlich möchtest Du schon gern die Möglichkeit haben, für mehr Leute zu spielen und so viele Zuhörer zu erreichen...
Wir arbeiten wirklich hart an den Stücken, den Arrangements und unseren Auftritten und da ist es natürlich immer schön, wenn wir eine ordentliche Größe an Zuhörerschaft haben, die kommen, um sich das Konzert anzusehen.
Ob wir aber im kommerziellen Radio oder Fernsehen stattfinden wollen ist wieder eine andere Frage...
 
Janine: Ich glaube, wenn wir Alles haben könnten, würden wir es schon gerne haben, dass jeder unsere Musik hören kann und sie auch im kommerziellen Radio gespielt wird, aber ohne dabei von einer Plattenfirma kontrolliert zu werden. Wir wollen keinen, der uns sagt, was für Musik wir auf unseren Alben machen müssen, damit sie sich besser platzieren lassen...
 
James: Darin besteht doch immer die Gefahr, oder?
Wenn Du mit einem Major-Plattenlabel arbeiten willst, musst Du sehr häufig einen Großteil der Kontrolle über Dein eigenes Material abgeben.
Im Moment haben wir die komplette Kontrolle über den Sound, das Empfinden, die Stücke -  über Alles...
Das ist eine schwierige Sache. Nur sehr wenige Künstler haben das Glück, die komplette künstlerische Kontrolle zu haben und mit einem Major-Label zu arbeiten - soweit mir das bekannt ist.
 
 
Editor: Wir haben es auch heute wieder gesehen... Nach jeden Konzert kommt ihr raus, um CDs zu signieren und mit den Leuten zu reden.
Wie wichtig ist das für Euch und glaubt ihr, dass das auch für Eure Zuhörer wichtig ist?

 
James: Das ist für uns sehr wichtig.
Janine: Sehr wichtig und ich denke, es ist auch für die Zuhörer wichtig.
Das ist doch einfach schön, die Leute zu treffen, die sich die Mühe machen vorbeizukommen...
 
James: Wir wissen es zu schätzen, dass immer Menschen kommen, um uns zu sehen. Keiner von uns hält das für selbstverständlich.
Wenn wir in eine Location kommen, um dort zu spielen und der Zuschauerraum ist voll, ist das einfach ein unglaubliches Glück.
Daher ist es uns wirklich wichtig, raus zu kommen und so viel wie möglich die Leute zu treffen.
Janine: Ich glaub, das ist so ein bisschen unsere Art Danke zu sagen.
Weißt Du, das Publikum muss immer für uns klatschen, aber wir können nicht für sie klatschen, aber wir können rauskommen und Hallo und Danke für's Kommen sagen...
James: Das ist eine gute Art es zu sagen...
Janine: Das bedeutet, dass wir etwas zurück geben können.
 
 
Editor: Gehen wir mal ein bisschen in die Historie von Naked Raven...
In früheren Jahren hat Euer Gitarrist Russ Pinney die meisten Stücke geschieben. Als er die Band verließ, hast Du, Janine, diesen Part zum größten Teil übernommen.
Glaubt Ihr, das sich mit diesem Schritt die Musik von Naked Raven wesentlich verändert hat oder ist das immer noch eine kontinuierliche Sache?
 
Janine: Ich weiß nicht. Wahrscheinlich bin ich da die ungeeignetste Person, die Du fragen kannst...
Ich denke da wirst Du alle möglichen Antworten von verschiedenen Personen bekommen. Einige Leute werden wahrscheinlich sagen, dass sich das Geschriebene sehr verändert hat, dass sich die Musik verändert hat. Ich schreibe eindeutig anders als Russ. Erstmal, weil er Gitarre spielt und ich nicht. Und auch das Herangehen an die Songs. - Sie entstehen immer am Klavier, wenn ich die Sachen nicht gerade  mit einem Gitarristen zusammen schreibe. Für gewöhnlich ist es aber das Klavier. Somit hast Du automatisch ein anderes Fundament.
Aber mit der Instrumentierung und...
James: ... wenn wir uns dem annehmen ...
Janine: Ich denke, jeder in der Band ist immer sehr auf den Naked Raven-Sound bedacht und darauf, eine Einheit aufrecht zu erhalten.
Auch wenn sich die Art des Songschreibens verändert hat...
James: Wir haben doch wirklich versucht, uns in Kern treu zu bleiben, der Grundlage von Naked Raven's musikalischer Überzeugung und ethischem Kern.
 
Janine: Ich weiß es nicht, aber vielleicht solltest Du doch die Leute fragen, die die CDs kaufen... 
 
Editor: Es gab auch in den letzten Jahren in der Band einige Veränderungen die Musiker betreffend.
Seht ihr darin mehr den Vorteil, dass neue Personen neue Impulse in die Band bringen, oder den Nachteil, nicht mit den selben Leuten kontinuierlich arbeiten zu können?

 
Janine: Ich denke Du sprichst da zwei sehr gute Punkte an und beide sind korrekt.
James: Es ist beides...
Janine: Ich mein', wir hätten schon gern, dass die selben fünf Leute die ganze Zeit zusammen geblieben wären, aber dieser Lebensstil ist nicht für jeden was und daher sind Leute gekommen und gegangen...
Das hatte zur Folge, dass die Stücke sich verändern und entwickeln konnten und ich denke, das lässt das Ganze interessant bleiben, nicht nur für die Band. Es erhält die Stücke für uns frisch und neu und hoffentlich auch für das Publikum. 

Es ist schon eine Herausforderung und recht zeitverschlingend, neue Musiker einzuarbeiten, aber am Ende des Tages haben wir immer mit großartigen Musikern zusammengespielt und es ist schon toll, das zu können.
 
 

Editor: In diesem Jahr habt Ihr zum ersten Mal deutsche Musiker dabei. Hat das damit zu tun, dass, wie ihr grad gesagt habt, Leute in der Band aufgrund dieses Tournee-Lebens nicht bleiben konnten/wollten? 
Denkt Ihr, dass ist mit deutschen Musikern einfacher, weil da zumindest das Heimweh keine Rolle spielt...? 
  
  [Janine & James lachen]
 
James: Das ist schon eine größere Entscheidung, das gewohnte Leben an einem Ort aufzugeben, die Sachen zu packen und auf die andere Seite der Welt zu gehen. Ohne eine Garantie, dass das Alles gut ausgeht.
Wir können niemandem etwas anderes garantieren, als dass wir nach Deutschland gehen und das Beste zu erreichen versuchen.
Und ich denke das ist völlig verständlich, dass nicht jeder, der mit der Band gespielt hat, wirklich zu der Zeit bereit war, alles andere aufzugeben.
Janine, Stephanie und ich hatten uns auf diesen Traum festgelegt, diese Art von Wagnis anzunehmen... 
Janine: Und auch diese Erfahrung zu machen. Weißt Du, dass ist ganz anders als in Australien, wirklich hier in Alles einzutauchen und zu beginnen die Kultur und Geschichte wirklich zu verstehen. Das ist eine tolle Erfahrung.
 
 
Editor: Neben den deutschen Musikern habt ihr auch noch einen anderen Deutschen, der seit einiger Zeit mit Euch auf den Tourneen unterwegs ist: "Den Mann mit den roten Socken"...

[Janine & James lachen]

Der macht auch einen tollen Job, scheint mir...

Janine: Joachim Schwaiger, "The Tiger"...
Er ist wundervoll. Großartig in seinem Job [am Mischpult - Anm. d. Editors]  und auch ein lieber Freund. Teil des Teams.
 
 
Editor: Wenn Ihr hier seid, habt Ihr Eure Basis in Berlin.
In wie weit ist Berlin für Euch mittlerweile ein Ort, den ihr "Zuhause" nennt?

 
James: Fühlt sich schon sehr nach einem Zuhause an.
Janine: Ja - Fühlt sich wie Zuhause an.
James: Wir sind das erste mal '96 nach Berlin gekommen und verspürten sofort eine Affinität mit der Stadt und mit deren Kultur und Atmosphäre.
Das ist der Ort, an den wir während der Tour immer zurückgekehrt sind, wenn es kleine oder auch etwas größere Pausen zwischen den Konzertterminen gab.
Und ich glaub da wuchs so eine Verbundenheit mit der Stadt über die Jahre. 
Somit war das dann einfach unsere einzige Wahl für eine Basis, während wir nun diese ganzen Tourneen machen. 
Und es fühlt sich jetzt in vielerlei Hinsicht wie ein Zuhause an.

[zu Janine:] Würdest Du mir zustimmen?
Janine: Ja, da stimme ich zu.
 
 
Editor: Und Ihr habt ja auch Eure neue DVD, die in Kürze erscheint, auch dort aufgezeichnet. Und die heißt auch "Home"...
Janine: Genau. Ja, das stimmt.
Editor: Ist die auch "Home" genannt, weil Ihr Euch in Berlin Zuhause fühlt?
Janine: Und auch ein bisschen wegen einem Heimpublikum. Da waren viele Bekannte Gesichter im Publikum dabei...
James: Ja, wir fühlten uns irgendwie von Freunden und unserer musikalische Familie umgeben.
 
 
Editor: In vergangenen Jahren habt ihr neue Sachen immer in Australien geschrieben und aufgenommen. Aber dieses Jahr macht ihr das hier, weil Ihr auch relativ lange hier seid..
Ihr habt zusammen mit einem in Europa lebenden australischen Produzenten angefangen an einem neuen Album zu arbeiten..?
 
Janine: Ja, genau gesagt lebt er in London und er ist ein guter Freund von uns. Es ist aufregend mit ihm zu arbeiten.
Er ist ein klassisch ausgebildeter Musiker, aber auch jemand der andere Sachen findet und er ist einfach brillant in allem was er tut. 
Er war in Australien im Pop-Bereich ganz erfolgreich. Kürzlich ist er dann nach London gezogen und konzentriert sich jetzt hauptsächlich auf das Komponieren von Filmmusik und Sachen in dieser Richtung.
Das ist für uns wirklich aufregend, mit ihm zu arbeiten, weil er über eine so breit gefächerte Erfahrung verfügt. Und er hat großartige Ohren, ein großartiges musikalisches Gehör.
Das wird sehr interessant. 
Er wird nach Berlin kommen, um die Sachen mit uns aufzunehmen.

Sein Name ist James Roche und er ist ein Genie.

James: Ja, im wesentlichen...
Janine: Ist er wirklich...
 
 
Editor: Da dürfen wir ja sehr gespannt sein auf das nächste Album, wahrscheinlich dann nächstes Jahr..?
Janine: Ja, nächstes Jahr wird es erscheinen....
Editor: ...und auf die DVD, die wir uns dann jetzt alle anschauen, wenn Ihr grade nicht auf Tour seid...

Ich danke Euch vielmals für das Interview.
Viel Erfolg für die Zukunft und möge sich alles in die Richtung  entwickeln, wie Ihr es Euch wünscht...

Janine & James:
Wir danken Dir...
 

Fotos: © Frank Peters

 

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